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Erfolg mit ClaroRead


Posted on: 3/7/2010

Ich bin Lehrbeauftragte am EduParc College in Biel und unterrichte Mathematik, Physik, Chemie und Biologie. Ich bin eine "wilde" Legasthenikerin, das heisst, ich hatte habe nie eine Therapie. gehabt. Ich habe die Legasthenie zwar x-mal attestiert bekommen, aber ich bin Jahrgang 1963, damals dauerte es länger bis Massnahmen lanciert worden sind. Wir sind jedes Jahr umgezogen und bis der Lehrer gemerkt hat, was mit mir los ist, bin ich schon wieder weggewesen. Darum habe ich auch keine Therapie erhalten. Ich bin dadurch natürlich auch nicht "übertherapiert" worden und ich sehe das als Plus, weil ich deshalb immer ganz unkompliziert und ohne Hemmungen mit der Lese- Rechtschreibschwäche umgegangen bin. Ich konnte zwei Universitätsabschlüsse und ein Nachdiplomstudium dank guter Vernetzung machen. Ich habe immer Kommilitonen gefunden mit denen, wo ich Schreiben, Abschreiben, Korrigieren und ähnliches getauscht habe gegen gute Ideen oder wir haben Leseaufgaben direkt aufs Tonband gemacht und zwar so, dass meine Kommilitonen mir vorgelesen haben und ich mir Stichworte aufgeschrieben habe. Mein Lernsystem ist optisch, akustisch und kinästhetisch, d.h. ich habe immer dreidimensional gelernt – das heisst mit Mindmaps, mit visualisierten Bildern und Lernkarten. Die meisten Tricks habe ich mir selber erarbeitet. Heute als Lehrerin bin ich sensibel auf die Lernschwächen oder Teilleistungsstörungen und gebe gerne meine Tricks weiter.

Meine Erfahrungen mit ClaroRead

Ich habe für den Verband Dyslexie Schweiz das ClaroRead-Programmgetestet. Ich tat dies dies nicht allein, sondern zusammen mit einemSchüler, der sehr begabt ist, durch seine schwere Legasthenie aber immer wieder an Grenzen gestossen ist.

Als erstes habe ich geprüft, wie leicht das Programm zu installieren ist. Tatsächlich ist es sehr einfach. Man erhält einen Stick und eine Anleitung. In der Anleitung hat es sehr viele Bilder. Also auch dort musste ich mich nicht sehr anstrengen, sondern ich konnte den Bildern "nachgehen". Ich musste zwar einiges lesen, aber das Programm ist so aufgebaut, dass man auch mit "learning by doing" gut vorwärtskommt.

(Was mir noch fehlt, ist die Mac-Version, weil ich mehrheitlich auf einem Mac arbeite. Diese ist aber bereits auf Deutsch geplant – in Englisch gibt es sie bereits).

Der Schüler hat das Programm auf seinem Laptop installiert. Das dauerte eine Viertelstunde, wobei wir beim Installieren bereits Teile des Programms ausprobiert haben. Nachher hat jeder das Programm eigenständig gebraucht.

Ich habe es vor allem zum Korrigieren der Texte, die ich für meine Schüler schreiben musste, benutzt. gebraucht. Die Texte liess ich mir von einer weiblichen Stimme vorlesen. Die deutsche Version hat zwei Stimmen – eine weibliche und eine männliche. Wenn man genug von der weiblichen Stimme hat, kann man auf die männliche umschalten. Das ist sehr einfach und die Arbeit bleibt interessant. Es gibt Texte, zu denen eine weibliche Stimme passender war, andere Texte passender zur männlichen Stimme.

Probleme beim Installieren gab es beim Einlesen von Texten, weil der Scanner nicht kompatibel war. Das hat mich zuerst etwas verwirrt, aber ich bekam sehr kompetente Hilfe durch ClaroRead. Man half mir sehr anschaulich und engagiert. Der Support durch die Betreiber in der Schweiz beeindruckte mich.

Noch einmal: Ich schreibe meine Texte, lasse sie mir vorlesen und merke an der guten Vorleserstimme, wo ich z.B. ie-Fehler gemacht oder Dehnungen oder Schärfungen falsch geschrieben habe. Ausserdem komme ich durch die relativ grosse Schrift selber ins Lesen rein.

Der Schüler hat parallel ähnliche Erfahrungen gemacht. Er hat allerdings bemängelt, dass man für Fremdsprachen-Übungen auf einem Dokument nicht zwischen zwei Sprachen hin und her wechseln kann. Wenn er z.B. die deutsche Sprache wählt und französische Vokabeln lernen will, weil er sie wie mit einer Art Lernkartei üben möchte, dann werden die fremdsprachigen Wörter in deutscher Phonetik gelesen. Gerade in der Oberstufe, in der das Fremdsprachen lernen eine grosse Rolle spielt, wäre dieser "Switch" wünschenswert. Das ist aber vor allem der Wunsch des Schülers. Ausserdem wünschte er sich noch mehr Stimmen..., z.B. eine Kinderstimme. Das gäbe dem Ganzen noch einen spielerischen Effekt.

Ich arbeite seit einem halben Jahr mit dem Programm und löse das "Mac- Problem" im Moment so, dass ich die Texte umformatiere und sie per E-mail in die Schule schicke und dort alles kontrolliere.

ursula.schweizer@eduparc.ch