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Der Computer, dein Freund und Helfer


Posted on: 6/1/2010

Unsere Kinder gehören zur Informations- und Kommunikationsgesellschaft. 2001 prägte Marc Prensky den Begriff "Digital Natives“. Damit meint er die Generation, welche von klein auf mit den neuen Technologien aufgewachsenen ist, für die der Umgang mit Computern, Handys, Mp3- Spielern, Internet, Computerspielen Teil der Sozialisierung ist. Kinder und Jugendliche sind heute mehrheitlich "Digital Natives“. Nicht immer einfach, denn für einige Menschen bleibt der Umgang mit geschriebener Sprache lebenslang mit Stolpersteinen behaftet. Auch wenn Marc Prensky unter anderem anmerkt, dass die "Digital Natives“ grafische Darstellungen lieber haben als Texte, Tatsache ist, dass unsere Informations- und Kommunikationsgesellschaft stark schriftsprachlich ausgerichtet bleibt. Ein Grossteil der Informationen wird heute - und mit grosser Wahrscheinlichkeit - auch in Zukunft mittels Schriftsprache transportiert werden. Unsere Informations- und Kommunikationsgesellschaft verlässt sich beim Transport von Sprachinformationen zu  inem grossen Teil auf die geschriebene Sprache. Wenn auf der Verarbeitungsebene des Empfängers (oder Senders) Fehler auftreten, sind gravierende Konsequenzen unausweichlich; Stigmatisierung, soziale Ausgrenzung, verminderte Berufsund Karriereaussichten usw.

Schriftliche Sprache wird mittels Zeichen transportiert. Dabei können auf verschiedenen Ebenen Fehler auftreten. Die technische Ebene der Zeichenträger kann dem Empfänger nicht zugänglich sein, indem z.B. das Umblättern eines Buches nicht möglich ist. Es kann weiter sein, dass auf der semiotischen Ebene Schwierigkeiten bestehen, die Zeichen als solche können vom Empfänger nur schwer erfasst werden. Hier können besonders sorgfältig gestaltete Schriftzeichen, die Grösse, Farbe und Hintergrundfarbe von Schriftzeichen unter Umständen besser erfassbar sein. Oder es bestehen auf der sensorischen Ebene des Empfängers besondere Bedürfnisse, welche die Rezeption von Zeichen auf bestimmte Modalitäten (Auge, Ohr) beschränken und die Verarbeitung der Zeichen in Bedeutung beeinflussen. Kinder lernen Sprache und insbesondere schriftliche Sprache bei der Anwendung eben dieser Sprache. Der Erfolg in mündlicher und schriftlicher Kommunikation mündet in zunehmende Kompetenzen, Menschen mit Lese- Rechtschreibschwierigkeiten jedoch haben grosse Nachteile bei derBewältigung ihres Alltags. Das beginnt in der Schule, setzt sich bei anschliessenden Ausbildungen fort. Ein Berufsalltag ohne Schriftsprachkenntnisse ist schwer zu bewältigen.

Beim Erwerb von Schriftsprache ist die Anwesenheit eines Mentors wichtig. Das kann der Vater oder die Mutter sein, die Lehrperson, Freundinnen und Freunde, oft sind es diese und weitere Personen in wechselnder Folge. Doch wenn Lese-Rechtschreibschwierigkeiten weiter bestehen, kann nicht immer und zu jeder Zeit die Unterstützung durch einen Menschen gesucht werden. Und es ist auch nicht angenehm, eine solche Hilfe zu suchen. Mit der Verbreitung von Computern steht ein multifunktionales Gerät zur Verfügung und wird Bestandteil des Alltags. Was liegt näher als dieses Gerät als Hilfsmittel einzusetzen, um Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten zu unterstützen.

Diesen Aspekten haben sich in den letzten Jahren viele Entwickler und Forscher angenommen, so auch Paul Blenkhorn vom Informatikinstitut der Universität Manchester in England. Sie haben ein Werkzeug entwickelt, welches Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten bei der Bewältigung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten unterstützt. Im angelsächsischen Raum und in skandinavischen Ländern wird dieses Werkzeug seit längerem mit grossem Erfolg eingesetzt.

Im Sommer 2009 wurde ClaroRead auf die Situation in der Schweiz angepasst. Dem Werkzeug liegt die Idee des Mentors zugrunde: Dieser unterstützt beim Lesen wie auch beim Verfassen von Texten. Bedingung ist, dass die Texte in digitaler Form vorliegen. Dann arbeitet der Computer unermüdlich und die Benutzer können damit selbständig und nach ihren Bedürfnissen damit arbeiten.

Lesen und verstehen

Texte werden nicht nur als Schrift, sondern auch als gesprochene Sprache empfangen. Das ist eines der zentralen Merkmale von ClaroRead. Als zusätzliche Information kann der gelesene Text farbig markiert angezeigt werden, das Auge kann dem vorgelesenen Text folgen.

Gelesen werden können grundsätzlich alle Texte, die digital auf einem Computer vorhanden sind, also Internetseiten, Texte in Programmen wie Mailclient oder anderen. Die meisten Funktionen von ClaroRead kommen aber mit der Textverarbeitung von Word zum Tragen. Dazu gehört etwa, dass Texte mit optischen Anpassungen zur besseren Lesbarkeit umgewandelt werden können. So kann mit einem Klick etwa die Textgrösse, die Schriftart, der Abstand der Buchstaben sowie die Farbe des Hintergrundes und der Schrift verändert werden. Benutzerinnen und Benutzer mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten können so Texte mit denjenigen Einstellungen lesen, welche für sie am besten funktionieren.

Texte verfassen

Die Idee eines Mentors hinter ClaroRead zeigt sich auch, wenn Texte verfasst werden. Wahlweise können Hilfsfunktionen aktiviert werden, welche den Autor bei der Wortwahl, der Rechtschreibung oder der Bedeutungsdefinition von Wörtern unterstützt. Gekoppelt mit der Sprachausgabe kann etwa ein fertig geschriebenes Wort oder ein ganzer Satz nachgesprochen werden. So kann akustisch überprüft werden, ob das Geschriebene dem entspricht, was geschrieben werden soll. Weiter können Tastaturanschläge nachgesprochen werden, ungeübte Schreiber erhalten so unmittelbar Rückmeldung darüber, welche Taste gedrückt wird. Dabei kann

gewählt wer en, ob der Buchstabe alphabetisch oder gelautet (der Buchstabe "B" also als stummes "b") gesprochen wird. Eine Wortvorhersage, welche schon nach dem ersten gedrückten Buchstaben Wortvorschläge macht kann aktiviert werden. Dabei werden die Worthäufigkeit und Wortfolgen schon geschriebener eigener Texte als Grundlage genommen.

Ein fertig geschriebener Text kann anschliessend überprüft werden. Dabei arbeitet ClaroRead eng mit der Rechtschreibefunktion von Word zusammen.

Nicht kompliziert

Alle Funktionen können voreingestellt werden und funktionieren mehrheitlich auf einen einzigen Klick hin. Auch jüngere Kinder können gut damit arbeiten. direkt von einem USB- Seit Beginn des Jahres 2010 ist ClaroRead auch mit Apple- Computern verwendbar.

Wenn Menschen mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten mit Computerwerkzeugen einen besseren Umgang mit Sprache erreichen können, kann das ein grosser Schritt sein zu einem selbständigeren und erfolgreicheren Alltag.

www.claroread.ch Website von Claro Schweiz www.clarosoftware.com/info/paul-blenkhorn/11 Website Claro UK Andreas Fehlmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Schweizer Medieninstitut für bildung und Kultur in Bern a.fehlmann@educa.ch